Das Glück des Tüchtigen

[inspic=780,,,0]Der Kapitän war nach dem zweiten Saisonsieg völlig losgelöst. Angelo Barletta stiefelte durch die Mixed Zone und lachte die Reporter an: „Jetzt können wir stundenlang reden, jetzt machen die Interviews endlich mal Spaß.“ 1:0 gegen den FC St. Pauli, die Bornheimer konnten ihr Glück kaum fassen. „Wir sehen jetzt Licht am Ende des Tunnels“, befand Barletta. Teamchef Tomas Oral sah so etwas wie die Trendwende, vor allem weil seine Mannschaft am Freitagabend endlich mal mit Fortuna im Bunde war. „Wir hatten das Glück des Tüchtigen“, sagte Oral.
Es sei das erste Mal gewesen, dass sein Team für so manchen groben Schnitzer nicht bestraft worden war. Oral meinte vor allem jene Szene, als Youssef Mokhtari den Ball vertändelte, der Hamburger Fabian Boll FSV-Torwart Patric Klandt umkurvte – aber an Markus Husterer auf der Linie scheiterte (28.). „Da hatten wir Glück; Glück, das uns sonst oft fehlte“, bekundete Oral. Es ist – nicht nur wegen seiner Rettungstat – vor allem Husterer, der der Abwehr wieder Halt gibt, seit er nach der langen Knieverletzung in Ingolstadt wieder in die Mannschaft zurückkehrte. „Das macht er sehr gut“, lobte Oral. Und dank Emil Noll und dessen Treffer kurz vor Schluss (88.) lebt beim FSV die Hoffnung auf den Klassenverbleib. „Es ist egal, wer das Tor geschossen hat, der Sieg war enorm wichtig. Jetzt können wir in der Rückrunde angreifen“, sagte Noll.

Auf jeden Fall ist es erstaunlich, dass der FSV mit nur zwei Siegen und 13 Punkten eine gute Chance hat, am Ende doch über dem Strich zu stehen. Das ist eine Analogie zur ersten Liga, wo Borussia Mönchengladbach mit nur elf Punkten noch alle Möglichkeiten hat, mit einer guten Rückrunde den Sprung ans rettende Ufer zu schaffen. Mit elf Punkten war man früher normalerweise weit abgeschlagen. Das zeigt auch, dass die Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte der ersten und zweiten Klasse allesamt auf einem eher bescheidenen Niveau Fußball spielen. Beim FSV sind sie sich dessen bewusst. Sie wissen, dass sie nicht besser sind als die anderen Kellerkinder – aber auch nicht schlechter. Es gilt, sich an den anderen vorbeizumogeln. Irgendwie. (dur)

20 Kommentare für “Das Glück des Tüchtigen”

  1. Jupp sagt:

    So erstaunlich finde ich die Tatsache nun wieder doch nicht, dass man mit 13 Punkten noch nicht „weit abgeschlagen“ ist.
    Man muss hierbei auch berücksichtigen, dass es nur zwei Direktabsteiger gibt und der 16. Platz ist ja der Relegationsplatz. Um die Lage mit den vergangenen Jahren zu vergleichen muss man den Vergleich mit dem 14. Tabellenplatz ziehen und da sind es sechs Punkte unterschied.
    Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass der Sportverein sich mit den Mannschaften bis Tabellenplatz 10. schon vergleichen kann. Viel besser oder schlechter sind diesen Mannschaften auch nicht. Da hat man ja bei den Spielen gesehen.
    Deutlich war es nur gegen 1860, Aachen und Mainz. Alle anderen Spiele hätten auch ein für uns besseres Ergebnis bringen können.
    Wenn die Mannschaft die Einstellung wie gegen Ingolstadt und St. Pauli zeigt habe ich keine Angst, dass wir den Klassenerhalt nicht schaffen.

  2. Hagen sagt:

    Ich denke wir – mich als Beobachter/Fan eingeschlossen – haben die 2.Liga zu Anfang etwas unterschätzt. Begünstigt durch die letzte Saison, den Pokalsieg und einige relativ gute Spiele im Anschluss, die den Eindruck erweckt haben, wir könnten locker mithalten, nur das Quäntchen Glück würde noch fehlen.

    Auf den zweiten Blick betrachtet war das aber noch nicht ganz so. Was wie Zufall, ausnahmsweise individuelle Fehler oder Sturmschwäche aussah, war in Wirklichkeit – den Eindruck hatte ich zum ersten mal ganz stark im Wehen-Spiel – die Folge dessen, dass in der 2.Liga das Zeitfenster für das richtige Abspiel, den richtigen Pass, die richtige Stellung im Abwehrverhalten wesentlich kleiner ist als in der RL. Wehen, um im Beispiel zu bleiben, war daran schon Akklimatisiert und hat in den wenigen entscheidenden Situationen schnell genug *gedacht* und gewonnen, obwohl sie die übrigen 89 Minuten grottenschlecht gespielt haben. Wir nicht.

    Obwohl ich die meisten unserer Spieler prinzipiell dazu für fähig halte – die meisten haben es ja schon hinlänglich in anderen Vereinen oder sogar in Auswahlmannschaften bewiesen – haben wir dann zu viel durchgewechselt und dadurch zusätzlich noch die Abstimmung in Abwehr und Angriff zerstört, bevor wir überhaupt richtig in der 2.Liga angekommen waren. Nachher ist man immer schlauer. Ich werde das Oral nicht vorwerfen, weil ich diesen Fehler wahrscheinlich genauso gemacht hätte.

    Dann kamen die ganzen harten Brocken, die uns sowieso die Grenzen aufgezeigt hätten. Wenn man dann laufend Mißerfolge hat, ist dann noch das Selbstvertrauen weg und es wird noch schwerer.

    Aber: Von den unabhängigen Beobachtern – ich spreche fast nur mit unabhängigen, also i.d.R. Fans von anderen Vereinen – die bessere Spiele des FSV gesehen haben, also nicht so was wie Aachen, 60 oder Mainz, kenne ich kaum einen, der der Eindruck hatte wir spielten wie ein Absteiger. Eine an die Gangart in der höheren Liga akklimatisierte und eingespielte Mannschaft des FSV, vielleicht noch mit einem Neuzugang im Sturm, wird etwa auf dem Niveau von Oberhausen, Ingolstadt und Osnabrück spielen. Wenn noch der etwas größere Willen hinzukommt als ihn die Konkurrenz durchschnittlich aufzubringen vermag, wie wir es gegen Ingolstadt und St.Pauli eigentlich auch schon gesehen haben, kann es sicher noch was werden.

  3. r.o.b sagt:

    http://www.transfermarkt.de/de/news/24568/hansa-rostock-wirft-langen-und-cetkovic-aus-dem-kader.html

    da wären schon mal zwei stürmer arbeitslos. vielleicht sind die was für uns?

  4. Holger sagt:

    Wobei nur Dorđije Ćetković Stürmer ist, Dexter Langen ist ein Defensivspieler.

  5. Holger sagt:

    Huch, die Sonderzeichen gingen daneben, wollte schreiben nur Cetkovic ist Stürmer!

  6. Holger sagt:

    Laut Gerüchten sollen auch die Stürmer Addy Waku Menga und Zafer Yelen (U21 Nationalspieler für die Türkei) Hansa Rostock verlassen. Die scheinen richtig aufzuräumen an der Ostsee, obe das aber Verstärkungen für den FSV sind?

  7. Bernemer Karl sagt:

    Finger weg von Leuten die anderswo, zumal noch in der gleichen Liga,
    Unruhestifter sind, oder nichts gebracht haben.

    Wenn schon ,wie Otto immer schreibt, helfen uns nur mannschaftsdienliche,
    ausgebildete Kicker weiter.

    Dass solche Verpflichtungen nicht billig sind dürfte auch allen klar sein.

    Hoffe aber das unser Vorstand, Trainertrio und Manager wissen was zu tun
    und zu lassen ist.

  8. Chris_Ffm sagt:

    Yelen und Cetkovic sind doch eher mittelfeldspieler oder? zudem ist Yelen noch verletzt und würde wohl zumindest einen teil der vorbereitung verpassen.

    bleibt dann noch Menga…

  9. Holger sagt:

    Cetkovic ist eine „hängende Spitze“, schon eher Stürmer. Das ist auch kein Schlechter, scheint aber etwas abgehoben zu sein und sieht sich eher in der 1.Bundesliga. Aber qualitativ sicher der Beste der genannten.

    Menga hat in Rostock gar nichts gerissen, Yelen gilt als Talent, hinter dem aber auch türkische Vereine her sein werden.

  10. Leo sagt:

    Ich schließe mich Bernemer Karl 100% an. Finger weg !!!

    Prinzipiell fänd ich es in unsere Situation besser jemand zu holen der bis jetzt nicht in Deutschland spielt und hier auch nicht bekannt ist wie ein „bunter Hund“.
    Da wäre der Überraschungseffekt für die Konkurrenz und einiges höher und der Druck für den Spieler vielleicht ein bisschen weniger.
    Das ganze macht natürlich nur Sinn wenn er die geforderten Qualitäten+gute Fußballerische Ausbildung mitbringt.

    p.s. Meines wissens nach wird Menga auch mit den Osnasen in Verbindung gebracht.

  11. Rotbart sagt:

    Schon interessant… Da wird dauernd auf Neuverpflichtungen vom Saisonbeginn rumgehackt und sich über anderswo aussortierte Spieler aufgeregt und dann werden genau solche hier als mögliche Neuzugänge ins Gespräch gebracht…

  12. Stefan sagt:

    @Rotbart
    Stimmt. Und währenddessen kickt der Sportverein mit den Alten am besten… 😉

  13. Bernemer Karl sagt:

    @ Leo, weiß nicht ob Du gestern die FNP gelesen hast,angeblich haben wir eine
    amerikanische Sturmrakete an der Angel. Das wäre doch etwas.

    Dort wird auch gekickt , siehe WM 2002 . ( mit hängen und bambeln, wie der Bernemer sagt, 1-0 für unsere Truppe )

  14. Leo sagt:

    @ Bernemer Karl:

    Ja die hab ich gelesen, die Amis waren 02 gegen uns wirklich gut und insgesamt ist mein Eindruck das es dort fußballerisch immernoch aufwärts geht. Vielleicht trägt dort jetzt die WM von 94 Ihre Früchte.

    Hatten wir nicht 94/95 schon so ne´ Ami-Rakete ???

    Hieß der gute Mann Henderson ??? Oder täusch ich mich da.

    Gruß
    Leo

  15. otto schumann sagt:

    Hallo Freunde,

    auch diesmal trefft Ihr meist den Nagel auf den Kopf. Die 2. Liga ist nun einmal mehr als die Regionalliga – vielleicht waren wir da zu emphorisch. das mit dem zu often Durchwechseln stimmt auch – aber da scheint sich ja jetzt bei den Trainern die richtige Erkenntnis durchzusetzen, daß eine eingespielte Mannschaft nur im Notfall zu ändern ist.

    Neuzugänge? Auch hier bin ich vorsichtig. Ein Spieler muß auch „passen“. Siehe den Elsässer Dorn. Der war in Offenbach eine Granate. Dann wechselte er nach Rostock und dort kam er gar nicht klar. – Zwar wurden nach dem Krieg die Bevölkerung kräftig durchgemischt. Aber die Fischköppe waren und sind schon immer anders als die Süddeutschen. Ein Elsässer paßt halt mal eher nach Baden – oder auch nach Hessen, als an die Küste – die wurden schon zu DDR-Zeiten als Sonderlinge angesehen.

    Deshalb meine Hoffnung: Vom 30-Mann-Kader wenns geht einige abgeben, die sich nicht bewährt haben. Dann mit denen, die wirklich wollen, eine gute Vorbereitung im Januar absolvieren (den Rest im Dezember mal die Seele baumeln lassen, ohne dabei die Firneß ganz zu vernachlässigen – jetzt sind sie ja weg zum Ski-Lauf – Langlauf ist gut für die Kondition, Alpin ist verletzungsträchtig). Dann rennen und kämpfen, dann reicht es. Einige Vereine sind auch nicht besser. Fünf, sechs Punkte gutmachen, dann sieht die Welt besser aus.

    Warten wir also ab und hoffen auf das Heimspiel gegen Ahlen – das ist schon machbar. Wie schnell sich die Dinge nach der einen oder anderen Seite drehen können sehen wir an Wehen. Gegen den FSV waren sie noch erfolgreicher – dann ging es bergab. Die wollen jetzt den Trainer wechseln. Im Gespräch sind Wolf …. und der alte bekannte Frank.

    Glück Auf für 2009!

    Otto Schumann

  16. Bernemer Karl sagt:

    Übrigens was ich noch bemerken wollte, warum eigentlich keinen Holländer,Norweger oder
    Dänen, sind meist exellente Kicker, gut ausgebildet , körperlich topfit und haben mit der Verständigung kaum Probleme.

    Besser als abgetakelte Altstars.

    Vielleicht als Leihgabe.
    Ich lasse mal meine Verbindungen nach Amsterdam, Oslo und
    Kopenhagen spielen. ( ist nur ein Scherz, aber ich denke wäre keine schlechte Idee )

    Oder spinn ich schon ?

  17. Holger sagt:

    Also, woher die Neuzugänge jetzt kommen, ist mir eigentlich egal. Eine Gewißheit, dass sie einschlagen, hat man sowieso nie. Trotzdem, das sind Profis, die haben einfach gescheit zu trainieren, sollen auf ihre Gesundheit aufpassen und ansonsten ihren Job machen, wie alle anderen Arbeitnehmer auch.

    Mir wird da zu oft auf die „Befindlichkeiten“ der Spieler Rücksicht genommen, die sollen ihr bestes geben und gut ist!

  18. otto schumann sagt:

    Hallo Freunde,

    eigentlich wollte ich vor den Feiertagen eine Pause einlegen. Aber auf die Frage vom Bernemer Karl einzugehen: Die Niederländer und Skandinavier sind wahrscheinlich zu teuer für den FSV. Obs mit dem Ami was wird? Die sind zwar Arbeiten gewohnt (der Normalamerikaner hat zwei Jobs um überhaupt über die Runden zu kommen und maximal zwei Wochen bezahlten Urlaub – für uns kein Vorbild). Aber ob er wirklich eine Verstärkung ist, müßte man abwarten – wieder ein Wechsel auf eine unbekannte Zukunft? Ich war achtmal in den USA. Ein wundervolles Land um Urlaub zu machen – aber dort arbeiten? Soccer war und ist dort eine Randsportart. Aber warum sollte es dort keine Talente geben? Sie würden eher zum FSV passen als Afrikaner, Südamerikaner usw., die sich erst einmal an unser Klima gewöhnen müßten.

    Heute las ich das Wehklagen von Sobotzik. Der FSV habe ihn getäuscht, als er im Vorjahr verpflichtet wurde. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Er hat den FSV getäuscht … über seine Leistungsbereitschaft – und vorher schon vier, fünf andere Vereine. Das wird nie einer!

    Ich wiederhole mich: Der deutsche Fußball befindet sich im Umbruch. Viele Trainer und Vereine sehen ein, daß die Trainingsmethoden (und die Trainerausbildung des DFB) veraltet sind und stellen sich um. Selbst seit den Zeiten eines Maier, Beckenbauer, Müller hat sich die Welt weiter gedreht und damit auch die Trainingsmethoden geändert, das gilt nicht nur im Fußball. Der FSV darf hier den Anschluß nicht verpassen.

    Die deutschen Schwimmer wehklagen, daß die adidas-schwimm-Anzüge schuld seien. Das kann nur eine Alibiaussage sein. Vor Jahren sagte mir mal ein polnischer Trainer, den ich auf Schuhe ansprach: „Ach, Schuhe nicht wichtig, Form ist wichtig“. Natürlich ist eine gute Ausrüstung das Tüpfelchen aufs I. Aber sie alleine nutzt nichts, wenn Form und Talent nicht ausreichen.

    Warten wir also einfach ab, ob es gelingt, die Mannschaft bis Ende Januar wirklich zu verstärken – einfach wird das nicht werden, aber wir hoffen ja immer.

    Glück Auf für 2009!

    Otto Schumann

  19. Es gibt jetzt über 60 neue Bilder vom Stadionumbau Bornheimer Hang – schaut mal rein

  20. Bernemer Karl sagt:

    FSV Frankfurt noch nicht abgeschlagen

    Mitaufsteiger RW Oberhausen ist in der neuen Spielklasse ebenfalls konkurrenzfähig, wohingegen der FSV Frankfurt doch deutlich abfällt. Vielleicht war der Durchmarsch von der Oberliga bis in Spielklasse zwei ein wenig zu viel des Guten für den Klub vom Bornheimer Hang. Aber auch für die Hessen ist bei nur einem Punkt Rückstand zum Relegationsrang noch nichts verloren. Eines ist sicher: auch die Rückrunde der Zweiten Bundesliga wird spannend werden.

    Wir werden es so spannend machen das sich ganz Fußball-Deutschland wundern wird.

    Ende und aus.

    Alles, alles Gute für Euch.

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