Neustart in Bornheim

[inspic=7,,fullscreen,thumb]Lawrence Aidoo lächelt. Das kommt nicht allzu oft vor, wenn der 26 Jahre alte Stürmer über seine jüngere Vergangenheit erzählt. Doch wenn der Neuzugang des Fußball-Regionalligisten FSV Frankfurt von seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach berichtet, davon, wie er sich im Jahr 2000 kurz nach seinem Wechsel aus Ghana als junger Bursche von den Amateuren zu den Profis hochkämpfte, dann hellt sich seine Miene auf. “Das”, sagt der Angreifer, “war die schönste Zeit in meinem Leben.”

Gefördert vom damaligen Mönchengladbacher Trainer Hans Meyer galt der Ghanaer als Riesentalent, gab sein Debüt beim damaligen Zweitligisten im November 2000, ehe ihn nur wenige Monate später eine schwere Knieverletzung aus der Bahn warf. “Alles war kaputt”, sagt Aidoo im Rückblick, “Meniskus, Kreuzband, Innenband”. Fast ein Jahr musste er deshalb pausieren. Erst im Februar 2002 konnte er wieder für die Profis auflaufen, die nun erstklassig waren. Der junge Afrikaner erkämpfte sich zwar wieder einen Platz in der ersten Elf, konnte aber seine Leistungen nie stabilisieren. Als auch noch sein Förderer Meyer, zu dem der Ghanaer bis heute Kontakt hält, Anfang März 2003 von Ewald Lienen abgelöst wurde, ging es mit der Karriere von Aidoo bergab.

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Seine Miene wird düster, wenn er davon erzählt, wie er in der Winterpause 2004 von Mönchengladbach zum 1. FC Nürnberg wechselte, sich dort ebenso wenig durchsetzen konnte wie anschließend bei Energie Cottbus. Seinen Vertrag in der Lausitz löste er schließlich zum Ende der Saison 2007 frustriert auf. “Ich hab viel Pech gehabt. Es hat nicht gepasst”, sagt Aidoo. Danach tingelte der arbeitslose Fußballprofi, der sich bei der zweiten Mannschaft von Mönchengladbach und unter Meyer beim 1. FC Nürnberg fit hielt, von Verein zu Verein, absolvierte Probetrainings beim MSV Duisburg, dem SV Wehen Wiesbaden und zuletzt beim 1. FC Kaiserslautern. Einen Vertrag erhielt er nicht.

Zwischenzeitlich spielte er auch beim FSV Frankfurt vor, bestritt im Januar gegen den FC Augsburg ein Testspiel für die Bornheimer. Dabei hinterließ er einen guten Eindruck, Aidoo erzielte sogar ein Tor. Dann sorgten allerdings Aussagen seines Beraters für Irritationen, der zunächst ein Probetraining beim FSV für seinen Spieler als nicht akzeptabel ansah. Und die Bornheimer, die laut Trainer Tomas Oral nicht Aidoos fußballerische Fähigkeiten, sondern vielmehr seine Fitness überprüfen wollten, gingen erst mal auf Abstand. Später dann, als Aidoo auch in Kaiserslautern nicht unterkam, trainierte Aidoo dann doch beim FSV auf Probe mit und erhielt dort schließlich einen Vertrag. Zunächst nur bis zum Ende der laufenden Saison, mit einer einseitigen Option auf eine Verlängerung seitens des Vereins.

Für FSV-Trainer Oral ist die Sache mit dem zunächst verweigerten Probetraining kein Thema mehr. “Manchmal machen die Berater halt etwas, was der Spieler nicht will.” Und Aidoo, das betont der Ghanaer immer wieder, wollte eigentlich nur eines: “Ich will nur Fußball spielen.” Kein Thema ist nach seiner Aussage im Moment die erste oder zweite Liga. Aidoo hat seine Ansprüche nach der Zeit der Arbeitslosigkeit herunter geschraubt. Er weiß, dass er momentan nicht mehr in der Position ist, irgendwelche Forderungen zu stellen. “Ich will mich erst mal in den Kader kämpfen.” Der Stürmer, der derzeit in einem Hotel lebt, hat gelernt, in kleineren Kategorien zu denken. “Manchmal muss du alles auf Anfang setzen, um wieder nach vorne zu kommen. So ist das Leben”, sagt er. “Ich war ganz unten. Wenn dir so etwas passiert, dann muss du es akzeptieren. Aber du musst auch kämpfen.” Kämpfen, um wieder dahin zu kommen, wo er schon einmal war. In der ersten oder zweiten Liga. Doch dieser Weg ist noch weit. “Er hat noch viel Luft nach oben. Er hat sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft”, sagt Tomas Oral und wirbt um Verständnis, falls Aidoo nicht sofort die Erwartungen erfüllen sollte. “Das ist für ihn ein neuer Verein, ein neues Umfeld”, sagt der FSV-Coach. “Jeder kommt anders damit klar. Lawrence hat die letzten Monate nicht am Spielbetrieb teilgenommen, das geht dann alles nicht so einfach. So wie die Mannschaft zu Saisonbeginn Zeit gebraucht hat, so werden auch die Neuzugänge Zeit brauchen.”

Das Risiko des Vereins ist dabei ausnehmend gering. Schließlich bekam der Angreifer einen stark leistungsbezogenen Vertrag. Lawrence Aidoo weiß allerdings, dass er beim FSV auch um seine Zukunft spielt. “Ich war ganz weit weg und fange wieder bei Null an. Jetzt will ich mich nur auf meine Arbeit konzentrieren.” Und dann huscht Aidoo doch noch ein Lächeln über das Gesicht.

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6 replies on “Neustart in Bornheim”

  1. ISO sagt:

    Schön, dass Aidoo das FSV-Team verstärkt. Ich wünsche ihm viel Erfolg!

  2. Berger sagt:

    Aidoo hat uns gerade noch gefehlt.

  3. Tillet sagt:

    “Aidoo hat uns gerade noch gefehlt.”

    Du hüpfst offenbar über jedes Stöckchen, das man Dir hinhält. Haste schon mal das Datum des Beitrags gesehen? *grins*

    Ansonsten kann ich nur sagen, dass der FR-Spiesser-Blog inzwischen nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch áuf dem allerletzten Loch pfeift. Was soll die Verlinkung der allerersten Beiträge aus der Saison 2007/2008?

    Ich wollt mich hier eigentlich kommentarlos zurückziehen, nachdem die Ultras aus dem Main-Kinzig-Kreis mir verbieten wollten, die Ratten aus Leipzig Ratten zu nennen, auch wenns ein bisschen weh getan hat. Aber sich im Lawrence Aidoo-Thread aus 2007 zu verabschieden, hat schon was…

    • MKK sagt:

      Mensch Tillet, jetzt mach hier mal keinen auf sensibel. Nimmt Dir eh keiner ab. Ansonsten sehen wir uns sowieso alle demnächst wieder im Fsv-Forum. Hier gehen doch langsam die Lichter aus, oder?

    • Gründauer sagt:

      Tillet, bist Du im neuen Jahr ein Mimöschen geworden?

  4. Fritz sagt:

    Die Faz muss halt leider über den FSV berichten das ist die Wahrheit. Am schlimmsten war
    Bruchhagen der sich über die bösen Vereine beschwerte die Nachwuchsspieler von der Eintracht
    abwerben . Er halt leider vergessen dass die Eintracht dies seit Jahrzehnten macht.