Protokoll einer Auswärtsfahrt

Im Fanbus des FSV Frankfurt nach Wacker Burghausen

47 aufrechte FSV-Fans machten sich an einem regnerischen, kalten und sehr dunklen Samstagmorgen auf in Richtung Burghausen. Die Schreiberin von der FR durfte dabei sein, um einmal zu erleben, was echte Fans alles für ihren Verein tun. Zum Beispiel insgesamt gut 1000 Kilometer in einem Bus mitzufahren, um sich ein Regionalliga-Spiel gegen Wacker Burghausen anzuschauen. Hier das Protokoll einer Auswärtsfahrt. Ein Dokument wahrer Leidensfähigkeit, die am Ende belohnt wurde: Mit einem Auswärtssieg.

5.39 Uhr: Ich bin pünktlich am Bornheimer Hang, einige andere nicht. Macht nichts, Hauptsache der Bus ist schon da und wir können einsteigen. Draußen regnet es in Strömen, es ist kalt. Und ich frage mich: Was machst Du hier eigentlich?

5.59 Uhr: Abfahrt, auf geht’s in Abenteuer Auswärtsfahrt. Vor uns liegen hunderte Kilometer und die Ungewissheit, ob sich der Aufwand wirklich lohnt. Sollen doch am Ende drei Punkte mit nach Hause genommen werden.

6.19 Uhr: Raststätte Weißkirchen – Zwischenstopp. Aufnahme eines einsamen FSV-Fans. Eindringliche Warnung der Reiseleitung Vialkowitsch, dass hier bitte keiner sonst aussteigen soll. Der Zeitplan soll eingehalten werden. Grummeln bei den Rauchern. Hatte ich schon erwähnt, dass wir mit einem Nichtraucher-Bus fahren?

6.28 Uhr: Zaghafter Gesang auf den hinteren Rängen.

6.38 Uhr: Stärkerer Gesang auf den hinteren Rängen. Und Geräusche, die auf das Öffnen von diversen Flaschen schließen lassen. Grummeln bei den Rauchern.

8.14 Uhr: Das Grummeln der Raucher wird stärker. Offener Protest und Forderungen nach einem sofortigen Raucherstopp werden lauter. Reiseleiter Vialkowitsch bewahrt die Ruhe, schindet noch ein paar Kilometer und lässt den Bus kurz vor Nürnberg anhalten. Die Fahrt wird nach 20-minütigem Aufenthalt fortgesetzt. Entspannte Stimmung bei den Rauchern.

9.10 Uhr: Die Stimmung steigt. Das Wetter wird besser. Sonnenschein, blauer Himmel. Die Fans werden übermütig: „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ hallt durch das Fahrzeug. Busfahrer Siggi bleib ruhig, hält an seiner Taktik fest, die Fans mit Informationen über die Gegend zu verwirren. Der Gesang verstummt.

9.27 Uhr: Die Stimmung steigt weiter. Erste Diskussionen, welche Straßenbahn man zum Waldstadion nehmen muss, in dem ja bei einem Aufstieg in die zweite Liga gespielt wird.

10.25 Uhr: Die Stimmung steigt noch mehr. Die Aussicht auf die zweite Liga und die ausbleibenden Staus tun ihr übriges. Siggi erzählt über die Sehenswürdigkeiten der Gegend. Die Raucher werden abgelenkt.

10.50 Uhr: Die Reisegruppe kommt schneller voran als geplant. Nur noch 66 Kilometer bis Burghausen und die bange Frage: Was tun, wenn man zu früh im Stadion ist? Ein Stopp wird eingelegt. Die Raucher sind zufrieden. Siggi erzählt über die Sehenswürdigkeiten der Gegend.

12.00 Uhr: Ankunft in Burghausen. Die Reisegruppe ist zufrieden und strebt Richtung Stadion.

16.40 Uhr: Abfahrt in Burghausen. Siegesgesänge und Übereinstimmung darüber, dass sich die Strapazen gelohnt haben. Im Radio läuft Bundesliga.

17.20 Uhr: Die Müdigkeit übermannt das Gros der Reisegruppe. Süße Träume von der zweiten Liga inklusive. Siggi erzählt trotzdem über die Sehenswürdigkeiten der Gegend.

20.18 Uhr: Stopp bei McDonalds kurz hinter Nürnberg. Die Reisegruppe stärkt sich mit Burgern und Flüssigem. Die Raucher rauchen.

22.40 Uhr: Halt an der Raststätte Weißkirchen. Ein einsamer Fan wird ausgeladen. Die Stimmung steigt spürbar, angesichts des Ziels vor Augen.

22.55 Uhr: Der Anblick des nahen Bornheimer Hangs weckt müde Lebensgeister. Zum letzten Mal werden Gesänge angestimmt. „Oh FSV du weißt genau. Wie sehr ich auf dich bau….“ Die Stimmung wird melancholisch. Ankunft am Bornheimer Hang. Kaputt, aber zufrieden. Siggi sagt tschüss. Die Raucher rauchen.

3 Kommentare für “Protokoll einer Auswärtsfahrt”

  1. Barbara sagt:

    Danke für den anschaulichen Bericht! Wenn ich gewusst hätte, dass im Bus nicht geraucht werden darf, wäre ich vielleicht doch mitgefahren (… und hätte mit meinem schlechten Karma den Auswärtssieg versaut, war also wohl besser so 🙂 ).

    Jetzt bin ich wirklich mal gespannt auf nächsten Samstag!

  2. sb79 sagt:

    Sehr unterhaltsames Protokoll und „schockierende“ Fotos…..Respekt! 😉

  3. karsten sagt:

    grandios! wenn auch wirklich teilweise schockierend! die gestreifte hose auf dem titelbild könnte kultcharakter erlangen.

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