Vom schwierigen Spagat zwischen Professionalisierung und Tradition

Am Samstag beim Heimspiel gegen 1860 München ist etwas passiert, was man am Hang lange nicht mehr in dieser Intensität erlebt hat: Es herrschte Gänsehautstimmung. Stehende Ovationen von 3000 Zuschauern beim Einmarsch der Mannschaften, Support auch, als es nicht so gut lief. Und am Ende Zuversicht, dass die Niederlage nur ein Ausrutscher gewesen sei, der ja auch mal passieren kann.

Momentan ist die Stimmung rund um den FSV von einer Euphorie getragen, die von vielen so nicht erwartet worden war. Zur Erinnerung: es ist noch gar nicht so lange her, dass der FSV an gleicher Stätte in der Oberliga spielte. Ein Beispiel: am 12. Mai 2007 spielte der FSV gegen den SV Bernbach vor 470 Zuschauern. Okay, da war die Meisterschaft des FSV schon längst klar. Aber: der Quantensprung ist trotzdem enorm.

Wie schafft man es nun, die Zuschauer, die nach Jahren Abstinenz wieder an den Hang kommen, die den FSV quasi wiederentdecken, dauerhaft zu binden? Wie all die neuen Anhänger dazu zu bringen, wiederzukommen? Und die treuen Fans, die auch in den Untiefen der Oberliga fest zum FSV standen, nicht zu verprellen?

Ganz wichtig wird sein, dass der FSV seine Identität, als professionell geführter, aber bodenständiger Verein nicht aufgibt. Dass er seine Wurzeln als Arbeiterklub nicht vergisst. Dass er – egal in welcher Liga – nie den Kontakt zur Basis verliert. Dass die Distanz zwischen denen da oben (auf der Tribüne) und denen da unten (auf dem Platz), nicht zu groß wird. Denn dann wird der FSV dauerhaft auch wieder für Fußball-Puristen interessant. Gerade für die, denen das bei der Eintracht im WM-Stadion ein paar Nummern zu abgehoben ist.
Es bleibt aber ein schwieriger Spagat zwischen der notwendigen Professionalisierung im Profi-Fußball und dem Bewahren der Tradition.

12 Kommentare für “Vom schwierigen Spagat zwischen Professionalisierung und Tradition”

  1. Fsv,ler sagt:

    Professionalität steht für mich in Abhängingkeit von :

    Management

    Jugendarbeit

    Stadionumbau

    1. Mannschaft ( auch ihr Verhältnis zu den Fans , abklatschen , bedanken die Nähe

    der Fans suchen )

    Nachhaltigkeit ist jetzt das Zünglein an der Waage :

    kommen die Zuschauer dauerhaft , denn 2 mal hintereinander kann auch nur mit dem

    Tabellenstand zusammenhängen. Mal sehen wie es nach 2 (hoffentlich nicht ! )

    verlorenen Ausswärtsspielen aussieht .

    Optisch sind die Fans und Zuschauer schon näher dran. Die Atmosphäre ist schon eine

    bessere als vorher.

    Tradition : ist eine gern benutzte Floskel , hilft aber nur noch bedingt . Es gilt das Jetzt

    und die Zukunft – Schlagwort Perspektive – .

    Ohne Aussicht auf Erfolg , ist kein Blumentopf zu gewinnen.

    Im Rhein Main Gebiet , gibt es Alternativen genug. Das kulturelle Angebot ist gross.

  2. Michael Schuckert sagt:

    Hallo Annette. Es gibt eine Spruch im Ruhrpott: Wenn datt Flutlicht anne Hafenstraße angeht kommen gleich 10000 Zuschauer un kucken watt da los is ! Also,ich Träume davon das es beim FSV auch bald so sein könnte ! Aber mal langsam ! Wir haben die 3 Liga sicher,und können noch in die 2 Aufsteigen. Wenn wir da so eine gute Leistung zeigen wie zur Zeit,dann ist sicher die Stimmung Super . Die Leute kommen wieder zum FSV da bin ich sicher,es kommen doch jetzt schon Zuschauer wieder die ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe. Und: Es kommen auch Jüngere Leute ! Dafür dass die Zuschauer bleiben,oder wieder kommen muß sicher viel getan werden ! Du hast ja gesehen was die Verantwortlichen in Burghausen alles auf die Beine stellen ! Natürlich hat der FSV Perspektiven ! Die waren wohl noch nie so gut wie jetzt in der Vereinsgeschichte ! Aber dafür muß Leistung gebracht werden ! Nicht nur auf dem Platz ! Die Nähe zwischen Mannschaft und Fans ist denke ich ganz Wichtig ! Dass ist doch immer der Unterschied gewesen zu den anderen Vereinen ! Ich Glaube das ist ein Großes Plus für den FSV ,wenn die Mannschaft Leistung bringt so wie jetzt, dann wird sie von den Fans getragen !! Wenn ich an die Zeit denke die Du angesprochen hast ,da war doch nichts zu machen, es war so laut wie auf dem „Hauptfriedhof „am Hang . Schön das es jetzt anders ist ! Ich bin sehr Zuversichtlich das es weiter nach oben geht ,aber da müßen Alle helfen ! Und das kann man eben auch wenn man zu den Spielen an den Bornheimer Hang kommt ! Bis dann Michael

  3. Fsv,ler sagt:

    @ Annette

    mich würde mal interessieren was die ehemaligen Helden zum FSV so für eine Meinung

    haben.

    Vielleicht wäre so was mal einen Beitrag wert . Ich denke da an „Schotte Trimhold“

    oder Karl Heinz Volz . Die Truppe 1974 -76 , als wir zum letzten Mal gross im

    Rampenlicht waren 1974 DEUTSCHER Amateurmeister. Die verfolgen doch bestimmt

    die Geschehnisse

  4. jan sagt:

    @FSV, ler
    #“mich würde mal interessieren was die ehemaligen Helden zum FSV so für eine Meinung haben.“

    Schöne Idee, mal unsere Zweitliga-Helden der Siebziger wieder ins Gespräch zu bringen. Den „Schotten“ Horst Trimhold durfte ich vor ein paar Jahren mal beruflich kennenlernen, er ist ein sehr sympathischer Mann und auch heute noch öfters auf der Tribüne bei Spielen dabei. Auch Peter Koch habe ich ab und an mal am Hang gesehen. Wie gesagt, schöne Idee!

  5. Annette sagt:

    @FSV,ler
    das ist eine super Idee. Ich klemme mich mal dahinter, schaue mal, ob ich mir die 70er Helden beim nächsten Heimspiel mal schnappe.
    Danke für die Anregung.

    Was dabei raus gekommen ist: Demnächst hier…. 🙂

  6. Fsv`69 sagt:

    Peter Koch ist bei jedem Heimspiel dabei, mit seinem Sohn, der immer im FSV Trikot kommt. Von Josef Sarocca zb. würde ich gerne mal wieder was hören, soviel ich weiss hat er ein Internetcafe in Maintal-Bischofsheim. ja das wäre ne Geschichte wert…

  7. jan sagt:

    Oder was wurde aus unserem Abwehrhünen Peter Rübenach, meinen Lieblingsstürmer Hubert Klein, oder dem Mittelfeldass Oliver Posniak…

    Das waren Zeiten!

  8. Annette sagt:

    Ich seh schon….da kommt Arbeit auf mich zu…

  9. SB'79 sagt:

    Unseren 80er Jahre Helden Josef Sarocca habe ich letzte Saison am Hang gesprochen.
    Hat immer noch ein schwarzblaues Herz und verfolgt den Werdegang des „Sportvereins“ stets mit Interesse. Auf meine Frage, warum denn kaum noch Spieler seiner Generation am Hang anzutreffen sind,wusste er auch keine Antwort. Hier ist vielleicht mal die Vereinsführung gefragt ein Treffen mit ehemaligen Spielern und Fans zu organisieren. Fände ich klasse!

  10. Brillo Helmstein sagt:

    Da ist sicherlich in den vergangenen Jahrzehnten versäumt worden, ein dichtes Netzwerk der „Ehemaligen“ aufzubauen, die in anderen Vereinen z.B. auch Scouting-Funktionen wahrnehmen. Übrigens: Uwe Weigert sollten wir nicht vergessen.

    Ansonsten finde ich die Fortschritte, die wir speziell nach der Winterpause in Sachen „Zuschauerkultur“ gemacht haben, wirklich erstaunlich. Mittlerweile haben die „Anfeuerer“ auf der Tribüne die Stimmungshoheit über die „Meckerer“. Das ist in den letzten beiden Spielen wirklich teilweise „Gänsehaut-Atmosphäre“ gewesen.

    Auch mir ist aufgefallen, dass man inzwischen auch wieder viele „junge Gesichter“ am Hang sieht. Trägt hier die Fußballschule in der vom Vorstand beabsichtigen Weise des „Emotions-Transporteurs“ bereits erste Früchte?

    Eine unserer Stärken ist mit Sicherheit die Nähe der Zuschauer zur Mannschaft und zum Geschehen auf dem Platz. Ich fand es zum Beispiel Klasse, als Miko und Barletta uns in Reutlingen auf der Sitztribüne als Schwarz-Blaue Schalträger per Handschlag begrüßten – obwohl wir uns nicht persönlich kennen. Das wirkt authentisch und keinesfalls aufgesetzt. Diese Nähe sollte gepflegt werden.

    Auch unser Stadion bietet da Vorteile. Ich konnte einen Bekannten überreden, der sonst nur „Medien-Fan“ ist oder bestenfalls gelegentlich zur Bundesliga geht, an den Hang zu kommen. Ihm machte es Spaß, so dicht an allem dran zu sein. Außerdem war er erfreut über die moderaten Ticket-Preise.

    Wenn die Mannschaft in der 3. Liga sich im oberen Mittelfeld platzieren und regelmäßig Erfolgserlebnisse produzieren könnte, dann bin ich überzeugt, dass wir uns ein Stammpublikum von 3.000 – 5.000 Zuschauern erarbeiten können, das uns auch bei weniger attraktiven Spielen unterstützen würde.

    Wir sollten unsere „Tradition“ übrigens nicht ganz abschreiben. Sie unterscheidet den FSV von Retorten-Clubs. Die Tradition in Verbindung mit einer gelungenen Kommunikationsstragtegie in Perspektive umwandeln. Das wäre die Kunst!

  11. Oldschool sagt:

    Gut das junges FSV Blut neu hinzu kommt und die „Meckerer“ so langsam in die Unterzahl kommen. Die Tribüne füllt sich mehr und mehr mit Fahnen, Trikots, Schals etc. und die jungen reißen die alten stimmungstechnisch mit. Die Fankultur findet aber nicht nur im Stadion am Bornheimer Hang statt, sondern muß sich auch in den Stadtteilen deutlich sichtbar bemerkbar machen. Da ist der FSV noch deutlich unterrepräsentiert.

  12. Barbara sagt:

    In diesem Zusammenhang ist es schon ein erheblicher Jammer, dass der traditionsreiche Infostand an den Heimspieltagen auf dem Bornheimer Wochenmarkt nicht mehr stattfindet – der wäre heute mehr denn je ein Anlauf- und Treffpunkt für Fans und Neugierige, die sich vielleicht von der Begeisterung der Hang-Besucher anstecken lassen könnten.

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